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Deutlich zu wenig Lehrkräfte

Dreieich-Zeitung | 28. Oktober 2020 |

Deutlich zu wenig Lehrkräfte

Auswirkung von Corona auf personelle Ressourcen im hessischen Schulbetrieb

Kein seltenes Bild an hessischen Schulen. Immer wieder fallen Stunden aus.

(alwe) Foto:bluedesign, Scanrail – stock.adobe

Um die Infektionsdynamik auszubremsen und eine Überlastung des Gesundheitssystem zu verhindern, reagierte Hessen im Frühjahr mit der Schließung aller Schulen im Bundesland. Der Präsenzunterricht konnte derweil vorerst wieder aufgenommen werden. „Diese Herausforderungen zu meistern, gelingt nur, weil an unseren Schulen hervorragende Arbeit geleistet wird. Dank der beispielhaften Einsatzbereitschaft aller Beteiligten ist es gelungen, unsere Schülerinnen und Schüler im Lernprozess zu halten und ihnen ein Stück weit schulische Normalität zurückgeben zu können“, so Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in seiner Regierungserklärung im September.

Mit dem Schulbeginn nach den Herbstferien stieg jedoch auch die Zahl der mit Covid-19-Infizierten. Regional sind besonders die Stadt Frankfurt und die Rhein-Main-Region betroffen. Die Situation ist demnach weiterhin angespannt – für Schüler, Eltern und Lehrer. Neben den Einschränkungen wie dem Tragen einer Mund-Nase-Maske und der Lüftungsproblematik ist dafür auch die Auswirkung von Corona auf personelle Ressourcen im hessischen Schulbetrieb verantwortlich. Am stärksten sei der Mangel an den Grundschulen, aber auch für Berufsschulen und in Förderschulen gebe es deutlich zu wenig Lehrkräfte, klagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW). Bei den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen existierten erhebliche Probleme in einzelnen Mangelfächern, etwa Physik oder Musik. So liege ein erhöhter Vertretungsbedarf vor, weil einzelne Lehrkräfte aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Corona-Risikogruppe nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden könnten, erklärt Maike Wiedwald, Vorsitzende der GEW. Dies betreffe in erster Linie ältere Lehrkräfte über 60 Jahre sowie chronisch Kranke, die teilweise pauschal zu Beginn der Pandemie von der Unterrichtspflicht befreit wurden. Viele von ihnen hätten in dieser Zeit andere Aufgaben wahrgenommen wie die Begleitung des Lernens auf Distanz. Dies ist nun jedoch nur noch dann möglich, wenn über ein ärztliches Attest ein erhöhtes Risiko einer Corona-Infektion festgestellt wird. In diesem Zusammenhang, so Wiedwald weiter, sei außerdem ein wichtiger Baustein weggefallen, mit dem das Kultusministerium den zuvor hausgemachten Lehrkräftemangel zu bewältigen versucht habe: „Der freiwillige längere Einsatz von Lehrern, die das Ruhestandsalter erreicht haben. Auch wenn diese Option – was uns nicht verwundert – nur von einer vergleichsweise geringen Zahl wahrgenommen wurde, werden die ohnehin bestehenden Lücken dadurch noch größer“, sagte Wiedwald.

Nach Angabe des Kultusministeriums waren Ende August von den rund 60 000 Lehrern drei Prozent aufgrund eines solchen Attests vom Präsenzunterricht befreit, das entspricht einer Zahl von etwa 1 800. Viele Lehrkräfte aus den Risikogruppen sind mittlerweile wieder in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. „Vor allen Dingen wegen ihres Pflichtbewusstseins für ihre Schülerinnen und Schüler“, sagt Maike Wiedwald, für die das Land kurzfristig den Gesundheitsschutz an den Schulen sicher stellen müsse: „Außerdem benötigen wir endlich ein strukturiertes Weiterbildungsangebot für die vielen Vertretungskräfte ohne pädagogische Ausbildung, die aufgrund des Mangels schon ins System geholt wurden. Diesen fehlt sowohl eine angemessene Vorbereitung auf ihre Tätigkeit als auch eine sichere Beschäftigungsperspektive. Der bisher erfolgte Ausbau der Kapazitäten an den Universitäten wie auch im Vorbereitungsdienst reicht nicht aus. Noch immer gibt es bei fast allen Lehramtsstudiengängen einen hohen N.C. Diese Zulassungsbeschränkungen sollten ganz fallen“, meint die hessische GEW-Vorsitzende.

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